Sonntag, 10. November 2019

Montserrat Caballe // The Prayer - Video


Ich bete, dass Du unsere Augen bist,
Und siehst, wohin wir gehen
Und uns hilfst, weise zu sein,
In Zeiten, in denen wir nicht weiter wissen
Lass dies unser Gebet sein,
Wenn wir unseren Weg verloren haben
Führe uns zu einem Ort,
Leite uns mit Deiner Gnade
Zu einem Ort, wo wir sicher sind

Das Licht, dass uns leitet
Ich bete, dass wir dieses Licht finden
Und es in unseren Herzen bewahren
um uns daran zu erinnern
Wenn die Sterne jede Nacht erlöschen
Die ewigen Sterne, die in meinen Gebeten sind
Lass dies unser Gebet sein
Mit dem starken Glauben,
Wenn Schatten unsre Tage füllen
Führe uns zu einem Ort,
Leite uns mit Deiner Gnade
Gib uns Glauben, so dass wir sicher sind

Wir träumen von einer Welt ohne Gewalt
Einer Welt der Gerechtigkeit und der Hoffnung
Jeder reicht seine Hand seinem Nachbarn
Ein Symbol des Friedens und der Brüderlichkeit

Mit der Kraft, die wir haben,
Bitten wir, dass das Leben freundlich zu uns sei
Das ist unser Wunsch
Und wache über uns von oben
Jeder findet die Liebe
Ich hoffe, dass jede Seele
Findet sich selbst
Und einen anderen Menschen um zu lieben

Lass dies unser Gebet sein,
Lass dies unser Gebet sein,
So wie jedes Kind,
So wie jedes Kind

Wir müssen einen Platz finden,
Führe uns mit Deiner Gnade
Gib uns Glauben, so dass wir sicher sind
Und ich fühle, dass dieser Glaube, der in uns brennt,
Uns retten wird





Samstag, 9. November 2019

Ein Winterabend




Ein Winterabend
Wanderer tritt still herein Schmerz versteinerte die Schwelle.

Wenn der Schnee ans Fenster fällt lang die Abendglocke

läutet.

Vielen ist der Tisch bereitet und das Haus ist wohl bestellt.

Mancher auf der Wanderschaft kommt ans Tor auf dunklen

Pfaden.


Golden blüht der Baum der Gnaden aus der Erde kühlem
Saft.

Da erglänzt in reiner Helle auf dem Tische Brot und Wein.




Georg Trakl






Montag, 4. Februar 2019

Tu, was du tun willst




In der Welt Gottes gibt es kein "du solltest" oder "du solltest nicht".
Tu, was du tun willst.

Tu, was dich in einer großartigeren Version deines Selbst widerspiegelt,
sie repräsentiert.


Wenn du dich schlecht fühlen willst, dann fühl dich schlecht. 


Neale Donald Walsch






Sonntag, 6. Januar 2019

An etwas wie eine Seelenwanderung glaube auch ich



Hermann Hesse schreibt in einem Brief an Lisa Wenger,
deren Tochter seine spätere Ehefrau wird.

An etwas wie eine Seelenwanderung glaube auch ich,
ich halte das 
eigentlich für selbstverständlich sobald
man anfängt zu denken.

Dieser Glaube hat manches Beruhigende,
aber er enthält auch die
Erkenntnis, dass alles
was wir erleben von uns selbst gewollt und
 herbei gerufen ist.
Dann gibt es keine Ausflüchte und keinen
Trost mehr
gegen das bittere Schicksal, als sich damit
einverstanden
 zu erklären und dazu „ja“ zu sagen,
und das ist immer schwer.




Hans Christian Andersen (aus Zwölf mit der Post)




Es war eine schneidende Kälte, sternenheller Himmel,
kein Lüftchen regte sich.

Trateratra!
Die Post kam angefahren. Als die  große Postkutsche
vor dem Stadttor hielt,
in dem ein kleiner Tannenbaum eingepflanzt war.
Den Baum will ich hegen und pflegen, damit er gedeihe
und groß werde bis zum Weihnachtsabend,
vom Fußboden bis an die Decke reiche und emporschieße
mit flammenden Lichtern, goldenen Äpfeln und
ausgeschnittenen Figürchen.

Die Feuerkiepe wärmt wie ein Ofen;
ich hole das Märchenbuch aus der Tasche und lese
laut aus ihm vor, dass alle Kinder im Zimmer still,
die Figürchen an dem Baume aber lebendig werden
und der kleine Engel von Wachs auf der äußersten Spitze
die Flittergoldflügel ausbreitet, herabfliegt vom grünen Sitze
und klein und groß im Zimmer küsst, ja,
auch die armen Kinder küsst,
konnte man erkennen das sie voll besetzt war.

Zwölf Personen brachte sie mit.
Endlich kam der letzte Reisende zum Vorschein,
das alte Mütterchen Dezember mit der Feuerkiepe;
die Alte fror, aber ihre Augen strahlten
wie zwei helle Sterne. Sie trug einen Blumentopf auf dem Arme,
die draußen auf dem Flure und auf der Straße stehen
und das Weihnachtslied von dem Stern
über Bethlehem singen.



Hans Christian Andersen
(aus Zwölf mit der Post)


Sonntag, 30. Dezember 2018

Der Einsame


* Artist Alexander Sigov *

Der Einsame
Verhasst ist mir das Folgen und das Führen.
Gehorchen? Nein! Und aber nein - Regieren!
Wer sich nicht schrecklich ist, macht niemand Schrecken:
Und nur wer Schrecken macht, kann andre führen.
Verhasst ist mirs schon, selber mich zu führen!

Ich liebe es, gleich Wald- und Meerestieren,
mich für ein gutes Weilchen zu verlieren,
in holder Irnis grüblerisch zu hocken,
von ferne her mich endlich heim zu locken,
mich selber zu mir selber - zu verführen.

(Friedrich Nietzsche, 1844-1900)



Donnerstag, 22. November 2018

Im Advent


Heute habe ich viel Zeit am Dachboden verbracht
und in den Kisten und Schachteln mit Weihnachtsutensilien gestöbert.
Viele Erinnerungen wurden mir wieder im Gedächtnis wach.
Schöne und traurige Momente zogen in meinen Gedanken vorüber.
Dabei wurde mir wieder einmal klar, wie vergänglich doch alles ist.
Die Erinnerungen an die Kindheit, zu den Tagen in der Weihnachtszeit,
sind mir besonders liebevoll im Herzen geblieben.

Die Räume weihnachtlich schmücken und Plätzchen backen,
sind ein Muss für mich in diesen Tagen.

Copyright; Ursula Magdalena



Ich wünsche allen Freunden
eine schöne Adventszeit!




Freitag, 2. November 2018

Am Allerseelentag

 
Am Allerseelentag

Ich stand gelehnt am Leichenstein
Von hundert Kerzen lichter Schein
Auf all den stummen Gräbern lag.
Ich dachte, wie viel Glück und Schmerz
Hier tief begraben liegt,
Wie manches sturmbewegte Herz
Auf ewig ward zur Ruh gewiegt.

Da gingst du still vorbei an mir,
Ich sah dir ins Gesicht,
Und eine Träne blitzte dir
Im Aug', bestrahlt vom Kerzenlicht.

Im tiefsten Herzen hat sich da
Ein Grab mir aufgetan,
Und die gestorb'ne Jugend sah
Aus deinem Aug' mich lebend an.


Ludwig Bauer


 

Donnerstag, 1. November 2018

Die Schleiereule



Die Schleiereule

Auf ihren weizenfarb'nen Flügeln

Mit ihrer ernsten weißen Stirn

Huscht wie ein Geist sie

Durchs Giebelloch in die Scheune

aus Evening von John Clare 1793 -1864




Komm, traurige Eule, Bote des Leids

Vogel der Melancholie, Gefährte der Verzweiflung

Bester Freund der Sorge und Feind der Heiterkeit

Dein Beitrag nährt den Kummer

O komm, arme Eule, und klag mir Dein Leid

Hab ich's vernommen, so klag ich Dir meins

Robert Jones, 1607



Mag ein Engel deine Feder führen


* Corinne Valliere Skulptur *

O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren,
daß jedes Wort mir Wonne sei und Lust,
ein Engel Deine Feder führen,
ein Zauber drinnen leben unbewußt!

Damit, wenn ich das Siegel löse,
das Glück sich ungetrübt daraus ergießt,
und keine Wolke, keine böse,
mein Geist von Deinem Geiste liest.

Friederike Kempner (1836 - 1901)




Master of the Legend of the Magdalen






Master of the Legend of the Magdalen (1483 -1527).
The Magdalen Weeping, c 1525.


Die Heilige Maria Magdalena, 
manchmal einfach die Magdalena, war eine jüdische Frau, 
die nach den vier kanonischen Evangelien, mit 
Jesus reiste als einen seiner Anhänger und war Zeuge 
seiner Kreuzigung,  Begräbnis und Auferstehung . 

Sie wird in den kanonischen Evangelien zwölfmal 
namentlich erwähnt, mehr als die meisten Apostel . 

Marias Beiname Magdalene bedeutet wahrscheinlich, 
dass sie aus der Stadt Magdala kam , 
einer Fischerstadt am Westufer des Sees Genezareth .

Magdalena





Jeder Gedanke ist Saat





Jeder Gedanke ist Saat

Einst über kurz oder lang
führt durch dies Feld dich dein Gang

Jeder Gedanke ist Tat


einst über lang oder kurz
wird er dein Sieg oder Sturz

Wie dir das Schicksal auch naht

nenn es nicht fremde Gewalt

Du bist's in eigner Gestalt

Ephides






Mittwoch, 31. Oktober 2018

Ich war im Garten...





Ich war im Garten, wo sie all die Tiere
gefangen halten, glücklich schienen viele, 
in heitern Zwingern treibend muntre Spiele,
doch andre hatten Augen, tote, stiere, 
besah mich unbewegt mit stillen Blicken.

Er schien so klug sich in sein Los zu schicken,
doch konnte ich in seinem Innern lesen.
Und andre rastlos hinter starren Gittern 
und wunder Liebe fühlt ich mich erzittern,
und meine Seele wurde eins mit ihnen. 
Ein Silberfuchs,ein wunderzierlich Wesen, 
Und andre sah ich mit verwandten Mienen.


Christian Morgenstern


Tiere gehören in die Freiheit,
und nicht in den Zoo...





Dienstag, 30. Oktober 2018

Baron Münchhausen


Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen


Am 11. Mai 1720 wird der berühmte Freiherr Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen in Bodenwerder geboren. Als 4-jährigen verliert er seinen Vater. Mehr ist uns aus dieser Zeit nicht überliefert. 1732 tritt Hieronymus v. Münchhausen, einem Brauch in Adelskreisen folgend, in den Hofdienst. Er wird Page beim Prinzen Anton Ulrich v. Braunschweig. 1733 reist Anton Ulrich nach Russland, um die Nichte der russischen Zarin zu heiraten. 1738 folgt Hieronymus seinem Patron und tritt in das russische Braunschweig-Regiment ein, das Prinz Anton Ulrich kommandiert. Damit beginnen die Reisen und Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen.


Für seine Tapferkeit im russisch-türkischen Krieg ernennt Anton Ulrich 1739 Hieronymus v. Münchhausen zum Kornett und beschenkt ihn mit drei schönen Pferden, dazu Schabracken und Pistolen. Ein knappes Jahr später - 1740 - wird Hieronymus zum Leutnant befördert. Seine Karriere verspricht unter seinem Patron glänzend zu verlaufen, denn im gleichem Jahr wird der Sohn Anton Ulrichs v. Braunschweig zum Zar Iwan VI. ernannt. Aber alles endet nach einem gewaltsamen Thronwechsel, als Elisabeth I., Tochter des Zaren Peter des Großen, 1741 den einjährigen Iwan und seine Eltern gefangen nimmt und sie ins Exil schickt. Münchhausens Leben wird seitdem von Anton Ulrichs tragischem Schicksal überschattet. Zwar übersteht er den Umsturz heil - vermutlich, weil er zu dieser Zeit in Finnland kämpft, aber aus seiner so glänzend begonnene Karriere wird nichts, eine weitere Beförderung lässt elf Jahre auf sich warten.

Die Garnisonstadt Riga wird jetzt sein hauptsächlicher Aufenthaltsort - und dort fühlt er sich anscheinend sehr wohl. Diese Rigaer Jahre beeinflussen nachhaltig seine Fähigkeit als Erzähler, denn in Freundeskreisen des damaligen Litauen, das erst vor kurzem seine bedeutende Rolle in der europäischen Geschichte verloren hat, wird gerne erzählt. An diesen gemütlichen Abendtreffen nimmt Hieronymus v. Münchhausen oft teil, bestimmt nicht nur als Zuhörer. (Unter Balten kursieren auch noch in unserer Zeit Anekdoten, die man ihm zuschreibt.) Aber Riga gibt Hieronymus nicht nur die Liebe zum Fabulieren: Aus dem livländischen Adel holt er sich seine Lebensgefährtin, Jacobine von Dunten. Am 2. Februar 1744 schließt er die Ehe, die 46 glückliche Jahre währen sollte. 

1750 wird Hieronymus zum kaiserlich russischen Rittmeister vorgeschlagen. Er muss aber langsam erkennen, dass Aufstieg und Karriere für ihn zu Ende sind, also nimmt er den Abschied und fährt mit seiner Frau heim nach Bodenwerder. Die Abenteuerjahre sind vorbei! Aber sie haben den Herrn des bescheidenen Landgutes zu einem Weltmann werden lassen. Ohne die Erlebnisse in der Fremde wäre er vielleicht nie der große Fabulierer geworden.

Von nun an führt Hieronymus v. Münchhausen das Leben eines Landedelmannes, der sein Gut bestellt, geselligen Verkehr mit seinen Gutsnachbarn pflegt, und dessen liebster Zeitvertrieb die Jagd ist. Im Freundeskreis beginnt sein Erzählertalent berühmt zu werden. Gäste kommen nach Bodenwerder - auch von weit her -, um fabelhafte Geschichten zu hören. Zuweilen sind der Göttinger Dichter Gottfried August Bürger, der Philosoph Georg Christoph Lichtenberg und der Museumsdirektor Rudolf Erich Raspe, alle drei auch große Erzähler, bei ihm zu Besuch.

1790 stirbt Jacobine v. Münchhausen. Hieronymus bleibt allein. Um der Einsamkeit zu entfliehen, heiratet er 1794 als 74-jähriger die 18-jährige Bernhardine v. Brünn. Die Ehe wird unglücklich, schon nach einigen Monaten beginnt Münchhausen einen 3-jährigen Scheidungsprozess, der ihn sein ganzes Vermögen kostet. 

Verbittert und einsam stirbt der große Fabulierer, Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen, am 22. Februar 1797.



Freitag, 26. Oktober 2018

Der Uhu, der Kauz und zwo Eulen





Der Uhu, der Kauz und zwo Eulen
Beklagten erbärmlich ihr Leid
Wir singen; doch heißt es, wir heulen
So grausam belügt uns der Neid

Wir hören der Nachtigall Proben
Und weichen an Stimme nicht ihr
Wir selber, wir müssen uns loben
Es lobt uns ja keiner, als wir

(Friedrich von Hagedorn,


1708-1754)






Die zwei Wurzeln




Die zwei Wurzeln

Zwei Tannenwurzeln groß und alt
unterhalten sich im Wald.

Was droben in den Wipfeln rauscht,
das wird hier unten ausgetauscht.

Ein altes Eichhorn sitzt dabei
und strickt wohl Strümpfe für die zwei.

Die eine sagt knig, die andere sagt knag.
Das ist genug für einen Tag.

Christian Morgenstern




Hänschen Eichhorn heiß' ich,
Was ich gelernt hab', weiß ich.




Donnerstag, 18. Oktober 2018

Ich bin der Welt abhanden gekommen...



Ich bin der Welt abhanden gekommen, 
Mit der ich sonst viele Zeit verdorben.

Sie hat so lange nichts von mir vernommen,
Sie mag wohl glauben, ich sei gestorben!

Es ist mir auch gar nichts daran gelegen,
Ob sie mich für gestorben hält,

Ich kann auch gar nichts sagen dagegen,
Denn wirklich bin ich gestorben der Welt.

Ich bin gestorben dem Weltgetümmel,
Und ruh' in einem stillen Gebiet!

Ich leb' allein in meinem Himmel,
In meinem Lieben, in meinem Lied!






Donnerstag, 4. Oktober 2018

Novalis



Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die tief Gelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freie Leben,
Und in die Welt wird zurück begeben,

Wenn sich dann wieder Licht und Schatten
Zu echter Klarheit werden gatten,
Und man in Märchen und Gedichten
Erkennt die ew´gen Weltgeschichten,
Dann fliegt vor einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

Novalis
Friedrich von Hardenberg



Foto; Rose Novalis 
Copyright;  Ursula Magdalena