Donnerstag, 9. November 2017

Entfernung


Entfernung

Das halbe Leben vom Leben der Katzen
spielt in hohen Träumen sich ab
Sie gehen weite Strecken im Schlaf
oder fliegen in blauen Wolken 
geflügelten Dingen nach

Ist man hier weiß man 
von dort nicht mehr viel
Was ich erlebt habe ist mir entfallen
Eigentlich gab es nichts zu verstehn
Oh dieses mondsüchtige Leben von Katzen
Wie Hasenbrot die Vergangenheit nun...

by Sarah Kirsch






Die Ursache aller Dinge ist der Geist.




Der Schweizer Arzt und Naturphilosoph 
Paracelsus 1493 bis 1541 schreibt:


Die Ursache aller Dinge ist der Geist. 
Er bringt einen Körper hervor,
durch den er seine Wunder vollführt. 
Ist der Körper zerstört, schafft
sich der Geist einen neuen Körper, 
der ähnliche oder höhere
Eigenschaften hat.



Für die Seele 
gibt es weder Geburt noch Tod. 
Auch hört sie, da sie einmal war, 
niemals auf zu sein. 
Sie ist ungeboren, ewig, immerwährend, 
unsterblich und zurerst. 
Sie wird nicht erschlagen, 
wenn der Körper erschlagen wird.




Dienstag, 7. November 2017

Symbol für menschlichen Größenwahn


*Pieter Bruegel der Ältere*

Die bekannteste künstlerische Darstellung des Turmbaus zu Babel stammt von Pieter Bruegel dem Älteren und hängt im Kunsthistorischen Museum in Wien. Für sein Bild setzte er einfach siebenmal das Kolosseum aufeinander. Auf anderen Gemälden stellte man den Turm von Babel oft als spiralförmigen Turm, wie die Minarett von Samarra, oder als Stufenturm dar. 

Die biblische Erzählung 

Die Erzählung vom Turmbau zu Babel (Genesis 11,1-9) beschließt die biblisch-mythischen Erzählungen des Buchs Genesis. Sie will die Erklärung liefern, weshalb nicht nur die Menschheit, sondern der Mensch an und für sich gespalten ist, die "Sprache" des Anderen nicht mehr versteht und in die Welt zerstreut ist, und sieht den Grund dafür im Streben des Menschen zum Himmel, in seinem Machbarkeitswahn, sich ein Zeichen zu setzen, die Völker zu vereinen und letztlich darin, nicht den Willen Gottes zu suchen, sondern sich mit dem eigenen Werk zu erhöhen. 
Der Mensch wird zum Gotteslästerer im Namen der Ordnung
(Albert Camus). 


Der Turmbau zu Babel ist zusammen mit der babylonischen Sprachverwirrung trotz ihres geringen Umfangs von nur neun Versen eine der bekanntesten biblischen Erzählungen des Alten Testaments.

* Gustave Doré *

Bis heute ist der Turm von Babel ein Symbol für menschlichen Größenwahn, für das Streben über alle Grenzen hinaus, für die Verführung, die bei den Menschen immer darin besteht, dass sie glauben, alles zu können.



Sonntag, 5. November 2017

Im Regen stehen die Bauarbeiter



* Edward Munch*

Wohin gehst du mein Kind, wenn der Regen rinnt,
Und das Haar hängt dir naß ins Gesicht?
Wenn dein Gestern wie Glas zebricht?
Und dein Morgen wie Sand zerrinnt?
Wohin gehst du mein Kind?

Im Regen stehen die Bauarbeiter
Warum machen sie nicht weiter?
Die Leute stehen, sie gehen nicht weiter
Denn die Angst ist ihr Begleiter
Ist es die Angst vor Schulden, um das Haus, 
um den neuen Wagen?
Ist es die Angst um den Job, 
ist es die Angst im Bett zu versagen?

Wohin gehst du mein Kind, wenn der Herbst beginnt,
Und die Blätter drehen sich im Kreis?
Wenn dein Herz keine Antwort weiß
Auf die Frage nach Liebe und Glück?
Begleitest Du mich ein Stück?

Im Regen stehen die Bauarbeiter
Warum machen sie nicht weiter?
Die Leute stehen, sie gehen nicht weiter
Denn die Angst ist ihr Begleiter
Ist es die Angst vor Schulden, um das Haus, 
um den neuen Wagen?
Ist es die Angst um den Job, 
ist es die Angst im Bett zu versagen?

Wohin gehst du mein Kind, wenn es dunkel wird?
Und der Mond sich kalt oben zeigt?
Wenn der Mediendschungel schweigt?
Und die Katze schreit wie ein Kind?
Und der Wind weht wie der Wind?

Im Regen stehen die Bauarbeiter
Warum machen sie nicht weiter?
Die Leute stehen, sie gehen nicht weiter
Denn die Angst ist ihr Begleiter
Ist es die Angst vor Schulden, 
um das Haus, um den neuen Wagen?
Ist es die Angst um den Job, 
ist es die Angst im Bett zu versagen?

Funny van Dannen 



* Edward Munch*


Das Lied des Regens




Das Lied des Regens

Ich bin das silberne Garn,
Das die Götter herab von den Höhen senden;
Die Natur nimmt mich auf, um die Täler zu
schmücken.

Ich bin die wertvolle Perle,
Aus Astartens Krone verstreut,
Und die Tochter des Morgens stahl mich, 
Um schöner zu machen das Feld.

Ich weine, und das Hügelland lächelt;
Ich werde erniedrigt und die Blumen erhoben.

Wolke und Feld sind zwei Liebende,
Und ich bin ein Bote, der zueinander sie führt;
Mit Überfluß still ich den Durst des einen
Und heile des anderen Krankheit.

Die Stimme des Donners und die Klingen des Blitzes
Künden von meinem Kommen,
während der Regenbogen vom End meiner Reise erzählt.
So ist das Leben auf Erden:
Beginnend zwischen den Füßen des Zorns
Und scheidend in den friedvollen Händen des Todes.

Ich hebe empor mich vom Herzen des Sees
Und gleite hinan mit den Schwingen der Lüfte,
Bis ich an einem grünenden Garten bin.
Dort lass ich mich nieder
Und küsse die Lippen der Blumen,
Umarme voll Liebe die Zweige.

In der Stille, mit meinen sanften Fingern,
Klopfe ich an die Fensterscheiben:
Es klingt wie ein Lied, den fühlenden Seelen bekannt.

Ich bin gezeugt von der Hitze der Erde
Und bin auch ihr Mörder –
So ist auch die Frau, die über den Mann herrscht
mit der Kraft, die sie ihm nahm.

Ich bin das Seufzen des Meeres,
Die Träne des Himmels
Und das Lächeln des Feldes.
So ist die Liebe –
Ein Märchen vom Meer der Gefühle,
Eine Träne vom Himmelreich der Gedanken
Und ein Lächeln vom Felde des Geistes.


Khalil Gibran





Mittwoch, 1. November 2017

Wie liebe ich dich...

*James Tissot*

Wie liebe ich dich? 

Wie liebe ich dich? Lass mich die Wege zählen.
Ich liebe dich in die Tiefe und Breite und Höhe.
Meine Seele kann erreichen, wenn sie außer Sicht ist.
Für das Ende des Seins und die ideale Gnade.
Ich liebe dich auf das Niveau eines jeden Tages.
Am ruhigsten brauchen, bei Sonne und Kerzenschein.
Ich liebe dich frei, wie Männer nach Recht streben.
Ich liebe dich rein, wie sie sich vom Lobpreis abwenden.
Ich liebe dich mit der Leidenschaft, die ich benutze.
In meinen alten Trauer und mit dem Glauben meiner Kindheit.
Ich liebe dich mit einer Liebe, die ich zu verlieren schien.
Mit meinen verlorenen Heiligen. 
Ich liebe dich mit dem Atem,Lächeln, Tränen. 
meines ganzen Lebens; und wenn Gott sich entscheidet.


Ich werde dich aber nach dem Tode besser lieben.



Elizabeth Barrett Browning wurde 1806 in der Coxhoe Hall, 
Durham, England geboren und war eine 
berühmte englische Dichterin der Romantischen Bewegung.


Dienstag, 24. Oktober 2017

An den Mond





An den Mond

Schwester von dem ersten Licht,
Bild der Zärtlichkeit in Trauer!
Nebel schwimmt mit Silberschauer
Um dein reizendes Gesicht;
Deines leisen Fußes Lauf
Weckt aus tagverschloßnen Höhlen
Traurig abgeschiedne Seelen,
Mich und nächt'ge Vögel auf.*

Forschend übersieht dein Blick
Eine großgemeßne Weite.
Hebe mich an deine Seite!
Gib der Schwärmerei dies Glück;
Und in wollustvoller Ruh
Säh der weitverschlagne Ritter
Durch das gläserne Gegitter
Seines Mädchens Nächten zu.

Dämmrung, wo die Wollust thront,
Schwimmt um ihre runden Glieder.
Trunken sinkt mein Blick hernieder.
Was verhüllt man wohl dem Mond?
Doch was das für Wünsche sind!
Voll Begierde zu genießen,
So da droben hängen müssen;
Ei, da schieltest du dich blind.

Johann Wolfgang von Goethe




Mittwoch, 6. Januar 2016

Ansichten über Engel



Nun machen sich aber viele Menschen wieder ein anderes Bild vom Jenseits - Himmel. Die Engel! Wo kommen denn die her? Die sind doch nicht unsichtbar, die haben goldenes Lockenhaar, haben zwei große Flügel und sind nackend, wenigstens die Kleineren, die Amoretten... Die Engel waren doch früher auch einmal Menschen, deren Seelen ins Jenseits geflüchtet sind. Dort haben sie Flügel bekommen. Das wird allerdings nur die weiblichen betreffen, so vom ersten bis dreißigsten Lebensjahr.

Ich könnte mir nämlich den oben benannten  Herrn Bäckermeister Meier nicht so himmlisch vorstellen, wenn er nackend mit zwei großen Flügeln in den Wolken herum flattert, also dann lieber unsichtbar! Die Meinungen gehen also hier sehr auseinander. Nun hat aber dieses angenommene Weiterleben nach dem Tode noch eine andere Seite. Auf Erden lebt der Mensch so ungefähr 60 bis 70 Jahre. Das Leben ist ja mannigfaltig und bringt durch Arbeit, Freude , Sorgen und Leid  u.s.w. Abwechslung in die Bude. Wie ist das denn nun im Jenseits? Hier besteht keine Altersgrenze, sondern Ewigkeit. 

Also in Ewigkeit nur im Jenseits umherfliegen, und als einzige Beschäftigung , wie uns aus der Bibel bekannt, nur Hosianna singen, das kann die ersten acht Tage ja ganz unterhaltsam sein, aber, man bedenke sich das ewig? Das muss unbedingt langweilig werden.

von Karl Valentin



Karl Valentin hieß mit bürgerlichem Namen Valentin Ludwig Fey 
und war ein deutscher Komiker, Volkssänger, Autor und Filmproduzent.

Geboren: 4. Juni 1882, München
Gestorben: 9. Februar 1948, Planegg



Freitag, 25. Dezember 2015

Weihnachtsabend




Weihnachtsabend

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
Der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war's; durch alle Gassen scholl
Der Kinderjubel und des Markts Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,
Drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
„Kauft, lieber Herr!“ Ein magres Händchen hielt
Feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor, und beim Laternenschein
Sah ich ein bleiches Kinderangesicht;
Wes Alters und Geschlechts es mochte sein,
Erkannt ich im Vorübertreiben nicht.

Nur von dem Treppenstein, darauf es saß,
Noch immer hört ich, mühsam, wie es schien:
„Kauft, lieber Herr!“ den Ruf ohn Unterlass;
Doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? - War's Ungeschick, war es die Scham,
Am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh meine Hand zu meiner Börse kam,
Verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Doch als ich endlich war mit mir allein,
Erfasste mich die Angst im Herzen so,
Als säß mein eigen Kind auf jenem Stein
Und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

Theodor Storm Anno 1852





Montag, 27. Juli 2015

Die Überraschung




Die Überraschung


Ich träumte mich in ein Zugabteil
der Deutschen Bundesbahn hinein.
Ein Kontrolleur riß die Tür auf
und wollte mein Fahrkarte sehen.

Ich brauche keine Fahrkarte,
sagte ich freundlich,
ich bin nur im Traum hier,
aber der Schaffner glaubte mir nicht.
Er dachte, ich wollte ihn hochnehmen,
und wurde richtig böse.

Als er mich zu beschimpfen begann
und mit der Polizei drohte,
öffnete ich das Fenster
und flog ins Freie.

Hans Kruppa





Von der Freundschaft


Von der Freundschaft

Eurer Freund ist die Antwort auf eure Nöte. 
Er ist das Feld, das ihr mit Liebe besät und 
mit Dankbarkeit erntet. 
Und er ist euer Tisch und euer Herd. 
Denn ihr kommt zu ihm mit eurem Hunger, 
und ihr sucht euren Frieden bei ihm. 
Wenn euer Freund frei heraus spricht, 
fürchtet ihr weder das "Nein" in euren Gedanken, 
noch haltet ihr mit dem "Ja" zurück. 
Und wenn er schweigt, hört euer Herz nicht auf, 
dem seinen zu lauschen;
Denn in der Freundschaft werden alle Gedanken, 
alle Wünsche, alle Erwartungen ohne Worte geboren 
und geteilt, mit Freude, die keinen Beifall braucht.

Khalil Gibran 



Eure Freunde sind die Antwort auf eure Sehnsüchte.



Freitag, 3. Juli 2015

Die Maske des Roten Todes


Edgar Allan Poe erzählt in seiner Novelle Die Maske des Roten Todes von der Vergeblichkeit des Eskapismus: Sie handelt vom Prinzen Prospero, der glaubt, dem Roten Tod – einer Pest, die im Lande wütet – entkommen zu können. Gemeinsam mit Gleichgesinnten zieht er sich in eine Abtei zurück. Umschlossen von Mauern, geschützt von eisernen Toren, versorgt mit Leckereien und Luxusartikeln. "Die Welt da draußen mochte für sich selbst sorgen", heißt es. Doch eines Nachts, als die Bewohner einen rauschenden Maskenball feiern, schleicht eine Gestalt durch die Gänge, niemand kennt sie, niemand weiß, wie sie hereingekommen ist. Sie trägt das Kostüm einer Pestleiche. Die Gesellschaft ist schockiert. Die Gestalt lässt sich nicht ergreifen, nicht töten: Es ist die Pest selbst – weder Mauern noch Tore konnten sie abhalten.



Geboren: 
19. Januar 1809, Boston, Massachusetts, Vereinigte Staaten
Gestorben:
7. Oktober 1849, Baltimore, Maryland, Vereinigte Staaten



You're beautiful like no other



* Two lovers from the fountain at the Jardin du Luxembourg, Paris *

You're beautiful like no other, loving you makes me happy! Slim like a date palm is your growth, and your breasts are like its full panicles. On the palm I will climb, pick their sweet fruits, wants me rejoice that ripe grapes equal to your breasts. Your breath drink willingly, which smells like fresh apples, intoxicate me to your mouth, because it tastes like fine wine ...

Salomon "Song of Solomon - 7,8 IOA“





Mittwoch, 3. Juni 2015

Schimmer des Gesichtes


* Hafis vor der Schenke - Anselm Feuerbach 1852 *


Schimmer des Gesichtes

Du, von dessen holder Wange
Licht der Mond der Schönheit borgt
Und aus dessen Kinnes Brunnen
Anmut sich mit Glanz versorgt!

Dich zu schauen, schwang die Seele
Auf den Rand der Lippe sich:
Soll zurück, soll vor sie schreiten?
Was befiehlt dein Wille? Sprich!

Wo dein Aug' gestrahlt, tat jeder
Auf Enthaltsamkeit Verzicht:
Drum vor deinen trunk'nen Augen
Prahle man mit Tugend nicht!

Scheint es doch, mein Glück erwache
Endlich aus dem langen Schlaf,
Da der Schimmer deines hellen
Angesichts sein Auge traf.

Sende mir ein Rosensträußchen
Deiner Wange durch den Ost,
Dass ich deines Gartenstaubes
Düfte atme, mir zum Trost!

Schenken, Ihr von Dscham's Gelage,
Lebet glücklich immerdar,
Wenn in Eurem Kreis gleich nimmer
Weingefüllt mein Becher war!

Freunde! Lasst den Liebling wissen,
Dass er wüst gemacht mein Herz,
Denn es fühlt ja Eure Seele
Mit der meinen gleichen Schmerz!

Wann, o Herr, wird es sich fügen, 
Was mein stetes Streben war, -
Dass ich mein Gemüt versammle,
Während sich zerstreut dein Haar?

Hoch den Saum vom Staub und Blute,
Gehst vorüber du an mir!
Denn es liegen viele Tote,
Die du hingeopfert, hier.

Ostwind, sag' in meinem Namen
Jasd's Bewohnern: Ȇberall
Soll das Haupt der Undankbaren
Werden Eures Schlägels Ball!

Bin ich fern gleich von der Nähe,
Meine Wünsche sind nicht fern,
Und ich diene Eurem König
Und mein Wort, es preist Euch gern.«

Fürst, beschirmt von hohem Sterne,
Ich beschwöre dich, erlaub',
Dass dem Himmel gleich ich küsse
Deines Prunkgezeltes Staub!

Horch, Hafis tut eine Bitte;
Sprich ein Amen denn getrost:
Deine zuckersüße Lippe
Sei in Zukunft meine Kost!


* Diwan von Hafiz 1585 *

Hafis ist einer der bekanntesten persischen Dichter. 

Geboren: Schiras, Iran um 1320
Gestorben: Schiras, Iran † um 1389


Samstag, 30. Mai 2015

Romeo & Julia




Geh, mach dich fort, 
denn ich will nicht mehr weg.
Was ist das da? Ein Glas in deiner Hand?
Gift seh ich, war sein vorzeitiges Ende.

Du Schuft!

Trinkt alles aus und gönnt mir nicht-
den Freundschaftstropfen für die kleine Reise?
Dann küss ich deine Lippen. Kann doch sein- 
Wenn noch genügend Gift dran hängt, dass ich 
Am Lebenselexier der Küsse sterbe.

Dein Mund ist warm.




Dienstag, 19. Mai 2015

Eine kleine Geschichte


Mein Freund öffnete eine Schublade der Kommode seiner Frau 
und holte daraus ein kleines Paket hervor, das in Seide eingewickelt war.

 Dies ist nicht einfach ein Paket, darin ist feine Wäsche.
Er betrachtete die Seide und die Spitze...

 Dies habe ich ihr vor 8 oder 9 Jahren in New York gekauft, 
aber sie hat es nie getragen.

Sie wollte es aufbewahren, für eine besondere Gelegenheit.
Nun ja, ich glaube jetzt ist der Moment gekommen.

Er ging zum Bett und legte das Päckchen zu den anderen Sachen, 
die der Bestatter mitnehmen würde. Seine Frau war gestorben.



Er drehte sich zu mir um und sagte; 

Hebe niemals etwas für einen besonderen Anlass auf. 
Jeder Tag, den du erlebst, ist besonders! 

Ich denke immer an seine Worte, sie haben mein Leben verändert.

Heute lese ich viel mehr als früher und putze weniger.
Ich setze mich auf meine Terrasse und genieße den Blick in die Natur, 
ohne mich am Unkraut im Garten zu stören.

Ich verbringe mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden und arbeite weniger.
Ich habe begriffen, dass das Leben aus einer Sammlung an Erfahrungen besteht, 
die man zu schätzen wissen sollte. 


Außerdem schone ich nichts.

Ich nehme die guten Kristallgläser jeden Tag, und ziehe meine neue Jacke 
zum Einkaufen im Supermarkt an, wenn mir danach ist.
Ich hebe mein bestes Parfum nicht mehr für Festtage auf sondern trage es, 
wenn ich Lust habe. 

Sätze wie; irgendwann  und  eines Tages werden aus meinem Vokabular verbannt.
Wann immer es sich lohnt, will ich, was mir in den Sinn kommt, gleich sehen, 
hören und machen.

Ich weiß nicht, was die Frau meines Freundes getan hätte, hätte sie gewusst, 
dass sie morgen nicht mehr da ist ein Morgen, das uns viel zu sehr egal ist.

Ich denke, sie hätte ihre Familie und enge Freunde angerufen. 
Vielleicht hätte sie sich bei alten Freunden für einen Streit entschuldigt, der lange her war.
Ich stelle mir gern vor, dass sie chinesisch essen gegangen wäre, in ihr Lieblings Restaurant.
Es sind die ganz kleinen nie getanen Dinge, die mich ärgern würden, wenn ich wüsste, 
dass meine Stunden gezählt sind.




Ich wäre traurig, gute Freunde nicht mehr getroffen zu haben, 
mit denen ich schon so lange Kontakt aufnehmen wollte, 
irgendwann, eben.

Traurig, dass ich die Briefe nicht mehr geschrieben habe, die ich schreiben wollte,  
irgendwann, eben.

Traurig, dass ich meinen Lieben nicht oft genug gesagt habe, dass ich sie liebe.
Inzwischen verschiebe ich nichts mehr, und bewahre auch nichts mehr 
für eine besondere Gelegenheit auf, was ein Lächeln in unser Leben bringen könnte.

Ich sage mir, dass jeder Tag ein besonderer Tag ist.
Jeder Tag, jede Stunde, jede Minute ist besonders...

Wenn du diese Nachricht liest, dann hat jemand an dich gedacht, jemand der dich mag.
Auch du hast Menschen, die dir etwas bedeuten...

Wenn du zu beschäftigt bist, ihnen zu zeigen wie sehr du sie liebst, und sagst;  
ich mach das demnächst, bedenke, demnächst ist weit weg, 
und vielleicht tust du es nie.


Dieses Tantra kommt aus dem Norden Indiens.
Seine Botschaft ist gut für die Seele




Montag, 9. März 2015

Würde der Frauen


* Paul Cézanne *

Würde der Frauen

Ehret die Frauen! sie flechten und weben 
Himmlische Rosen ins irdische Leben, 
Flechten der Liebe beglückendes Band, 
Und in der Grazie züchtigem Schleier 
Nähren sie wachsam das ewige Feuer 
Schöner Gefühle mit heiliger Hand.
Ewig aus der Wahrheit Schranken 
Schweift des Mannes wilde Kraft; 
Unstät treiben die Gedanken 
Auf dem Meer der Leidenschaft; 
Gierig greift er in die Ferne, 
Nimmer wird sein Herz gestillt; 
Rastlos durch entlegne Sterne 
Jagt er seines Traumes Bild.

Aber mit zauberisch fesselndem Blicke 
Winken die Frauen den Flüchtling zurücke, 
Warnend zurück in der Gegenwart Spur. 
In der Mutter bescheidener Hütte 
Sind sie geblieben mit schamhafter Sitte, 
Treue Töchter der frommen Natur.

Feindlich ist des Mannes Streben, 
Mit zermalmender Gewalt 
Geht der wilde durch das Leben, 
Ohne Rast und Aufenthalt. 
Was er schuf, zerstört er wieder, 
Nimmer ruht der Wünsche Streit, 
Nimmer, wie das Haupt der Hyder 
Ewig fällt und sich erneut.

Aber, zufrieden mit stillerem Ruhme, 
Brechen die Frauen des Augenblicks Blume, 
Nähren sie sorgsam mit liebendem Fleiß, 
Freier in ihrem gebundenen Wirken, 
Reicher, als er, in des Wissens Bezirken 
Und in der Dichtung unendlichem Kreis.

Streng und stolz, sich selbst genügend, 
Kennt des Mannes kalte Brust, 
Herzlich an ein Herz sich schmiegend, 
Nicht der Liebe Götterlust, 
Kennet nicht den Tausch der Seelen, 
Nicht in Thränen schmilzt er hin; 
Selbst des Lebens Kämpfe stählen 
Härter seinen harten Sinn.

Aber, wie leise vom Zephyr erschüttert, 
Schnell die äolische Harfe erzittert, 
Also die fühlende Seele der Fraun. 
Zärtlich geängstet vom Bilde der Qualen, 
Wallet der liebende Busen, es strahlen 
Perlend die Augen von himmlischem Thau.

In der Männer Herrschgebiete 
Gilt der Stärke trotzig Recht; 
Mit dem Schwert beweist der Scythe, 
Und der Perser wird zum Knecht. 
Es befehden sich im Grimme 
Die Begierden wild und roh, 
Und der Eris rauhe Stimme 
Waltet, wo die Charis floh.

Aber mit sanft überredender Bitte 
Führen die Frauen den Scepter der Sitte, 
Löschen die Zwietracht, die tobend entglüht, 
Lehren die Kräfte, die feindlich sich hassen, 
Sich in der lieblichen Form zu umfassen, 
Und vereinen, was ewig sich flieht.



Schiller Friedrich  
1759-1805



Mittwoch, 18. Februar 2015

The train of life




The train of life



Life is like a train ride
with all the stops, detours and accidents.
We get in, meet our parents and think,
that they always travel with us
but at any stop they will get
and we need to continue our journey without them.

But there are many passengers get on the train,
our brothers and sisters, cousins, friends,
even the love of our life.

Many will get out and leave a great void.
With others, we will not even notice that they have dropped.
It is a journey full of joy, sorrow, greetings and farewell.



The success is:
For every good relationship to have.

The big mystery is:
We never know at what we have to stop to get off.

Therefore, we must live, love, forgive and always be the best!
For when the time has come,
where we need to get out and our place is empty,
should only beautiful thoughts remain in us and
travel forever in the train of life continues.

I wish you that your trip will be more beautiful every day,
  you always have love, health, success and money in their luggage.


Many thanks to you, my companion,
in the train of my life!