Donnerstag, 30. November 2017

Die Tochter des Neides, ist die Verleumdung


Neid und Eifersucht
sind die Schamteile der menschlichen Seele.

Friedrich Wilhelm Nietzsche

Neid beschwerte Menschen sind die eigentlichen Intriganten.
Da sie sich nicht durch eigene Leistungen emporschwingen können, versuchen sie ihre Stellung im Leben durch die Verkleinerung der Leistung anderer zu verbessern.

Albert Schweizer


 Neid ist eine Mischung aus Minderwertigkeitsgefühlen, Feindseligkeit und Ärger.
Neid entsteht, wenn wir uns mit einem anderen vergleichen
und feststellen, dass dieser etwas hat, das wir nicht besitzen, aber für sehr erstrebenswert halten.
Wir können ihn wegen seiner Besitztümer, seiner Intelligenz,
seines Aussehens, seines Status und Ansehens beneiden.
Neid, Missgunst und Habgier sind das schlimmste Übel der Menschheit.

Aus Habgier und Machtsucht, werden  ohne Rücksicht ganze Völker vernichtet.



Dienstag, 21. November 2017

Das Geheimnis ihrer glücklichen Ehe




Das Geheimnis ihrer glücklichen Ehe

Im Urlaub am Strand hatten sie sich kennen gelernt. Margret kam mit einer Reisegruppe und Johannes war allein nach Italien gereist. Sie waren jung und sehr verliebt. Als der Abschied nahte, tauschten sie ihre Adressen aus und stellten erfreut fest, dass sie nur 50 km entfernt voneinander wohnten.

Man sah sich so oft es irgendwie ging und eines Tages bat Johannes, Margretes Eltern, um die Hand ihrer Tochter. Margret war ein Mädel vom Land und sehr zum Gehorsam erzogen worden. Ihre Großmutter, liebevoll „Nanni“ genannt, gab Margret zu ihrem großen Ehrentag einen sehr wichtigen Ratschlag, den sie aus eigener Erfahrung als sehr hilfreich empfunden hatte. Sie sagte: „ wenn Streit droht mit deinem Mann, dann schweige, halte still und stricke stattdessen Socken“.

Margret und Johannes waren glücklich. Sie erzählten sich alles, vertrauten sich gegenseitig auch ihre Geheimnisse an. Nur den Rat der Großmutter behielt Margret für sich und bat ihren Ehemann, niemals die kleine Kiste auf dem Speicher zu öffnen. Schweren Herzens willigte Johannes ein, obwohl ihn ein eigentümliches Gefühl dabei beschlich bei dem Gedanken daran, was seine Frau dort vor ihm geheim hielt?

So verging Tag um Tag und Jahr um Jahr. Drei Kinder wurden geboren, Sorgen und Nöte, Krankheiten, Kummer, aber auch viel Freude lösten einander ab.



Wir hatten eigentlich eine schöne, harmonische Zeit zusammen, dachte Johannes am 60. Jahrestag ihrer Hochzeit im Vergleich mit anderen Ehepaaren, wenn er da an die Ehen der Kollegen dachte: da wurde gestritten, betrogen und so mancher ließ sich sogar scheiden, die Leidtragenden waren meist die Kinder.

Liebevoll schaute er auf seine ihm angetraute Gattin, die blass in ihren Kissen lag, da sie schwer erkrankt war. Ihre Augen schauten Johannes bittend an. Dann sagte sie: “ Johannes, du weißt, dass ich schwerkrank bin und ich weiß nicht, wie viel Zeit mir noch bleibt. Gehe doch bitte auf den Speicher und hole die kleine Kiste herunter“.

Johannes tat sich altersbedingt bereits schwer die vielen Treppen zum Speicher hochzusteigen, aber nun trieb ihn die Neugier an. So brachte er seiner Ehefrau Margret die kleine Kiste, die verschlossen war. Margret öffnete eine Schublade und holte einen kleinen goldenen Schlüssel hervor. Sie schaute kurz auf ihren Gatten, dessen Augen groß und kugelrund vor Neugierde wurden. Dann öffnete sie ihr Schatzkästchen und darin lagen drei gestrickte Socken und 3000,00 €.

„Was ist das denn Margret, drei Socken, verständnislos sah er sie dabei an. Aber um die hättest du doch kein Geheimnis zu machen brauchen“, sagte er. Margret schmunzelte etwas und sagte:“ weißt du, das ist das Geheimnis unserer guten Ehe“. Johannes verstand es nicht. Da erzählte ihm Margret was ihr ihre „Nanni“ bei der Hochzeit geraten hatte.

Johannes standen Tränen der Freude in den Augen, als er angesichts der drei Socken begriff, dass seine geliebte Gattin die ganzen Jahre nur dreimal wütend auf ihn gewesen war. Dann aber wollte er gerne wissen, was es mit dem Geld auf sich hatte und fragte danach. Ganz leise, fast beschämt antwortet ihm daraufhin Margret: „ das ist das Geld von den verkauften Socken“.




Johannes lachte hell auf, nahm seine Liebste in die Arme und sagte: „was habe ich doch für eine kluge Frau geheiratet!“ Dann fragte er: „ war ich denn so schlimm?“ Margret lächelte nur und sagte: „ wir wollen es jetzt auf sich beruhen lassen – es war gut, wie es war“.

Aber was Margret nicht wusste und auch nicht zu wissen brauchte war, dass Johannes von seinem Vater in etwa denselben Rat bezüglich einer guten Ehe erhalten hatte, nur er hatte sich bei drohendem Streit in den Holzschuppen geschlichen und geschnitzt.


                                                                      



Sonntag, 19. November 2017

Wenn ich eines Tages gehen muss...



Wenn ich eines Tages gehen muss, 
tue ich das nicht wirklich. 
Ihr könnt mich dann nur nicht mehr sehen, 
nicht mehr berühren. 
Aber ich werde da sein, 
egal wo ihr seid.

Werde der Wind sein, 
der zärtlich durch euer Haar streicht, 
der Regen, der sanft eure Haut berührt, 
der Regenbogen am Horizont, 
der euch die schönsten Farben schenkt, 
die Sonne, die euch wärmt und mit euch lacht, 
der Duft von Sommer, den ihr einatmet, 
die Erde, auf der ihr geht, die Nacht, 
in der ich für euch die Sterne erstrahlen lasse, 
der Tag, der euch tausend Überraschungen bringt, 
die Hoffnung, die euch trägt, wenn ihr traurig seid 
und dieses Gefühl, was in euch ist, 
Wenn ihr glücklich seit.

Ihr könnt mit mir reden, 
ich werde euch immer hören, 
Oder einfach weinen, 
Dann nehme ich euch in meinen Arm 
Und ihr werdet euch frei fühlen. 
Ich werde über euren Schlaf wachen 
Und euch wundervolle Träume schenken.

Ihr braucht keine Angst zu haben, 
Wenn ihr daran glaubt 
Seid ihr niemals allein, 
Weil ich immer da sein werde, 
Wenn ihr an mich denkt 
so wie ich an euch!

  Unbekannt





Mittwoch, 15. November 2017

Es ist Nacht



Es ist Nacht
und mein Herz kommt zu dir
hält's nicht aus 
hält's nicht aus mehr bei mir

Legt sich dir auf die Brust
wie ein Stein 
sinkt hinein
zu dem deinen hinein

Dort erst
dort erst kommt es zur Ruh
liegt am Grund
seines ewigen Du

Christian Morgenstern




Sonntag, 12. November 2017

Die Stille



Die Stille 

Hörst du Geliebte, ich hebe die Hände, hörst du, es rauscht.
Welche Gebärde der Einsamen fände sich nicht von vielen Dingen belauscht?

Hörst du, Geliebte, ich schließe die Lider und auch das ist Geräusch bis zu dir. 
Hörst du, Geliebte, ich hebe sie wieder, aber warum bist du nicht hier.


Der Abdruck meiner kleinsten Bewegung bleibt in der seidenen Stille sichtbar.
Unvernichtbar drückt die geringste Erregung in den gespannten Vorhang der Ferne sich ein.

Auf meinen Atemzügen heben und senken die Sterne sich.

Zu meinen Lippen kommen die Düfte zur Tränke,
und ich erkenne die Handgelenke entfernter Engel.

Nur die ich denke:  Dich seh ich nicht.



Rainer Maria Rilke


Samstag, 11. November 2017

Menschenbeifall


* Marc Chagall *

Menschenbeifall

Ist nicht heilig mein Herz, schöneren Lebens voll, 
Seit ich liebe?

Warum achtetet ihr mich mehr, 

Da ich stolzer und wilder, wortereicher und leerer war?
Ach! der Menge gefällt, was auf den Marktplatz taugt.
Und es ehret der Knecht nur den Gewaltsamen. 


An das Göttliche glauben -
Die allein, die es selber sind.

Friedrich Hölderlin



* Marc Chagall *


Donnerstag, 9. November 2017

Entfernung


Entfernung

Das halbe Leben vom Leben der Katzen
spielt in hohen Träumen sich ab
Sie gehen weite Strecken im Schlaf
oder fliegen in blauen Wolken 
geflügelten Dingen nach

Ist man hier weiß man 
von dort nicht mehr viel
Was ich erlebt habe ist mir entfallen
Eigentlich gab es nichts zu verstehn
Oh dieses mondsüchtige Leben von Katzen
Wie Hasenbrot die Vergangenheit nun...

by Sarah Kirsch






Die Ursache aller Dinge ist der Geist.




Der Schweizer Arzt und Naturphilosoph 
Paracelsus 1493 bis 1541 schreibt:


Die Ursache aller Dinge ist der Geist. 
Er bringt einen Körper hervor,
durch den er seine Wunder vollführt. 
Ist der Körper zerstört, schafft
sich der Geist einen neuen Körper, 
der ähnliche oder höhere
Eigenschaften hat.



Für die Seele 
gibt es weder Geburt noch Tod. 
Auch hört sie, da sie einmal war, 
niemals auf zu sein. 
Sie ist ungeboren, ewig, immerwährend, 
unsterblich und zurerst. 
Sie wird nicht erschlagen, 
wenn der Körper erschlagen wird.




Dienstag, 7. November 2017

Symbol für menschlichen Größenwahn


*Pieter Bruegel der Ältere*

Die bekannteste künstlerische Darstellung des Turmbaus zu Babel stammt von Pieter Bruegel dem Älteren und hängt im Kunsthistorischen Museum in Wien. Für sein Bild setzte er einfach siebenmal das Kolosseum aufeinander. Auf anderen Gemälden stellte man den Turm von Babel oft als spiralförmigen Turm, wie die Minarett von Samarra, oder als Stufenturm dar. 

Die biblische Erzählung 

Die Erzählung vom Turmbau zu Babel (Genesis 11,1-9) beschließt die biblisch-mythischen Erzählungen des Buchs Genesis. Sie will die Erklärung liefern, weshalb nicht nur die Menschheit, sondern der Mensch an und für sich gespalten ist, die "Sprache" des Anderen nicht mehr versteht und in die Welt zerstreut ist, und sieht den Grund dafür im Streben des Menschen zum Himmel, in seinem Machbarkeitswahn, sich ein Zeichen zu setzen, die Völker zu vereinen und letztlich darin, nicht den Willen Gottes zu suchen, sondern sich mit dem eigenen Werk zu erhöhen. 
Der Mensch wird zum Gotteslästerer im Namen der Ordnung
(Albert Camus). 


Der Turmbau zu Babel ist zusammen mit der babylonischen Sprachverwirrung trotz ihres geringen Umfangs von nur neun Versen eine der bekanntesten biblischen Erzählungen des Alten Testaments.

* Gustave Doré *

Bis heute ist der Turm von Babel ein Symbol für menschlichen Größenwahn, für das Streben über alle Grenzen hinaus, für die Verführung, die bei den Menschen immer darin besteht, dass sie glauben, alles zu können.



Sonntag, 5. November 2017

Im Regen stehen die Bauarbeiter



* Edward Munch*

Wohin gehst du mein Kind, wenn der Regen rinnt,
Und das Haar hängt dir naß ins Gesicht?
Wenn dein Gestern wie Glas zebricht?
Und dein Morgen wie Sand zerrinnt?
Wohin gehst du mein Kind?

Im Regen stehen die Bauarbeiter
Warum machen sie nicht weiter?
Die Leute stehen, sie gehen nicht weiter
Denn die Angst ist ihr Begleiter
Ist es die Angst vor Schulden, um das Haus, 
um den neuen Wagen?
Ist es die Angst um den Job, 
ist es die Angst im Bett zu versagen?

Wohin gehst du mein Kind, wenn der Herbst beginnt,
Und die Blätter drehen sich im Kreis?
Wenn dein Herz keine Antwort weiß
Auf die Frage nach Liebe und Glück?
Begleitest Du mich ein Stück?

Im Regen stehen die Bauarbeiter
Warum machen sie nicht weiter?
Die Leute stehen, sie gehen nicht weiter
Denn die Angst ist ihr Begleiter
Ist es die Angst vor Schulden, um das Haus, 
um den neuen Wagen?
Ist es die Angst um den Job, 
ist es die Angst im Bett zu versagen?

Wohin gehst du mein Kind, wenn es dunkel wird?
Und der Mond sich kalt oben zeigt?
Wenn der Mediendschungel schweigt?
Und die Katze schreit wie ein Kind?
Und der Wind weht wie der Wind?

Im Regen stehen die Bauarbeiter
Warum machen sie nicht weiter?
Die Leute stehen, sie gehen nicht weiter
Denn die Angst ist ihr Begleiter
Ist es die Angst vor Schulden, 
um das Haus, um den neuen Wagen?
Ist es die Angst um den Job, 
ist es die Angst im Bett zu versagen?

Funny van Dannen 



* Edward Munch*


Das Lied des Regens




Das Lied des Regens

Ich bin das silberne Garn,
Das die Götter herab von den Höhen senden;
Die Natur nimmt mich auf, um die Täler zu
schmücken.

Ich bin die wertvolle Perle,
Aus Astartens Krone verstreut,
Und die Tochter des Morgens stahl mich, 
Um schöner zu machen das Feld.

Ich weine, und das Hügelland lächelt;
Ich werde erniedrigt und die Blumen erhoben.

Wolke und Feld sind zwei Liebende,
Und ich bin ein Bote, der zueinander sie führt;
Mit Überfluß still ich den Durst des einen
Und heile des anderen Krankheit.

Die Stimme des Donners und die Klingen des Blitzes
Künden von meinem Kommen,
während der Regenbogen vom End meiner Reise erzählt.
So ist das Leben auf Erden:
Beginnend zwischen den Füßen des Zorns
Und scheidend in den friedvollen Händen des Todes.

Ich hebe empor mich vom Herzen des Sees
Und gleite hinan mit den Schwingen der Lüfte,
Bis ich an einem grünenden Garten bin.
Dort lass ich mich nieder
Und küsse die Lippen der Blumen,
Umarme voll Liebe die Zweige.

In der Stille, mit meinen sanften Fingern,
Klopfe ich an die Fensterscheiben:
Es klingt wie ein Lied, den fühlenden Seelen bekannt.

Ich bin gezeugt von der Hitze der Erde
Und bin auch ihr Mörder –
So ist auch die Frau, die über den Mann herrscht
mit der Kraft, die sie ihm nahm.

Ich bin das Seufzen des Meeres,
Die Träne des Himmels
Und das Lächeln des Feldes.
So ist die Liebe –
Ein Märchen vom Meer der Gefühle,
Eine Träne vom Himmelreich der Gedanken
Und ein Lächeln vom Felde des Geistes.


Khalil Gibran





Mittwoch, 1. November 2017

Wie liebe ich dich...

*James Tissot*

Wie liebe ich dich? 

Wie liebe ich dich? Lass mich die Wege zählen.
Ich liebe dich in die Tiefe und Breite und Höhe.
Meine Seele kann erreichen, wenn sie außer Sicht ist.
Für das Ende des Seins und die ideale Gnade.
Ich liebe dich auf das Niveau eines jeden Tages.
Am ruhigsten brauchen, bei Sonne und Kerzenschein.
Ich liebe dich frei, wie Männer nach Recht streben.
Ich liebe dich rein, wie sie sich vom Lobpreis abwenden.
Ich liebe dich mit der Leidenschaft, die ich benutze.
In meinen alten Trauer und mit dem Glauben meiner Kindheit.
Ich liebe dich mit einer Liebe, die ich zu verlieren schien.
Mit meinen verlorenen Heiligen. 
Ich liebe dich mit dem Atem,Lächeln, Tränen. 
meines ganzen Lebens; und wenn Gott sich entscheidet.


Ich werde dich aber nach dem Tode besser lieben.



Elizabeth Barrett Browning wurde 1806 in der Coxhoe Hall, 
Durham, England geboren und war eine 
berühmte englische Dichterin der Romantischen Bewegung.


Dienstag, 24. Oktober 2017

An den Mond





An den Mond

Schwester von dem ersten Licht,
Bild der Zärtlichkeit in Trauer!
Nebel schwimmt mit Silberschauer
Um dein reizendes Gesicht;
Deines leisen Fußes Lauf
Weckt aus tagverschloßnen Höhlen
Traurig abgeschiedne Seelen,
Mich und nächt'ge Vögel auf.*

Forschend übersieht dein Blick
Eine großgemeßne Weite.
Hebe mich an deine Seite!
Gib der Schwärmerei dies Glück;
Und in wollustvoller Ruh
Säh der weitverschlagne Ritter
Durch das gläserne Gegitter
Seines Mädchens Nächten zu.

Dämmrung, wo die Wollust thront,
Schwimmt um ihre runden Glieder.
Trunken sinkt mein Blick hernieder.
Was verhüllt man wohl dem Mond?
Doch was das für Wünsche sind!
Voll Begierde zu genießen,
So da droben hängen müssen;
Ei, da schieltest du dich blind.

Johann Wolfgang von Goethe




Mittwoch, 6. Januar 2016

Ansichten über Engel



Nun machen sich aber viele Menschen wieder ein anderes Bild vom Jenseits - Himmel. Die Engel! Wo kommen denn die her? Die sind doch nicht unsichtbar, die haben goldenes Lockenhaar, haben zwei große Flügel und sind nackend, wenigstens die Kleineren, die Amoretten... Die Engel waren doch früher auch einmal Menschen, deren Seelen ins Jenseits geflüchtet sind. Dort haben sie Flügel bekommen. Das wird allerdings nur die weiblichen betreffen, so vom ersten bis dreißigsten Lebensjahr.

Ich könnte mir nämlich den oben benannten  Herrn Bäckermeister Meier nicht so himmlisch vorstellen, wenn er nackend mit zwei großen Flügeln in den Wolken herum flattert, also dann lieber unsichtbar! Die Meinungen gehen also hier sehr auseinander. Nun hat aber dieses angenommene Weiterleben nach dem Tode noch eine andere Seite. Auf Erden lebt der Mensch so ungefähr 60 bis 70 Jahre. Das Leben ist ja mannigfaltig und bringt durch Arbeit, Freude , Sorgen und Leid  u.s.w. Abwechslung in die Bude. Wie ist das denn nun im Jenseits? Hier besteht keine Altersgrenze, sondern Ewigkeit. 

Also in Ewigkeit nur im Jenseits umherfliegen, und als einzige Beschäftigung , wie uns aus der Bibel bekannt, nur Hosianna singen, das kann die ersten acht Tage ja ganz unterhaltsam sein, aber, man bedenke sich das ewig? Das muss unbedingt langweilig werden.

von Karl Valentin



Karl Valentin hieß mit bürgerlichem Namen Valentin Ludwig Fey 
und war ein deutscher Komiker, Volkssänger, Autor und Filmproduzent.

Geboren: 4. Juni 1882, München
Gestorben: 9. Februar 1948, Planegg



Freitag, 25. Dezember 2015

Weihnachtsabend




Weihnachtsabend

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
Der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war's; durch alle Gassen scholl
Der Kinderjubel und des Markts Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,
Drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
„Kauft, lieber Herr!“ Ein magres Händchen hielt
Feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor, und beim Laternenschein
Sah ich ein bleiches Kinderangesicht;
Wes Alters und Geschlechts es mochte sein,
Erkannt ich im Vorübertreiben nicht.

Nur von dem Treppenstein, darauf es saß,
Noch immer hört ich, mühsam, wie es schien:
„Kauft, lieber Herr!“ den Ruf ohn Unterlass;
Doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? - War's Ungeschick, war es die Scham,
Am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh meine Hand zu meiner Börse kam,
Verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Doch als ich endlich war mit mir allein,
Erfasste mich die Angst im Herzen so,
Als säß mein eigen Kind auf jenem Stein
Und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

Theodor Storm Anno 1852





Montag, 27. Juli 2015

Die Überraschung




Die Überraschung


Ich träumte mich in ein Zugabteil
der Deutschen Bundesbahn hinein.
Ein Kontrolleur riß die Tür auf
und wollte mein Fahrkarte sehen.

Ich brauche keine Fahrkarte,
sagte ich freundlich,
ich bin nur im Traum hier,
aber der Schaffner glaubte mir nicht.
Er dachte, ich wollte ihn hochnehmen,
und wurde richtig böse.

Als er mich zu beschimpfen begann
und mit der Polizei drohte,
öffnete ich das Fenster
und flog ins Freie.

Hans Kruppa





Von der Freundschaft


Von der Freundschaft

Eurer Freund ist die Antwort auf eure Nöte. 
Er ist das Feld, das ihr mit Liebe besät und 
mit Dankbarkeit erntet. 
Und er ist euer Tisch und euer Herd. 
Denn ihr kommt zu ihm mit eurem Hunger, 
und ihr sucht euren Frieden bei ihm. 
Wenn euer Freund frei heraus spricht, 
fürchtet ihr weder das "Nein" in euren Gedanken, 
noch haltet ihr mit dem "Ja" zurück. 
Und wenn er schweigt, hört euer Herz nicht auf, 
dem seinen zu lauschen;
Denn in der Freundschaft werden alle Gedanken, 
alle Wünsche, alle Erwartungen ohne Worte geboren 
und geteilt, mit Freude, die keinen Beifall braucht.

Khalil Gibran 



Eure Freunde sind die Antwort auf eure Sehnsüchte.



Freitag, 3. Juli 2015

Die Maske des Roten Todes


Edgar Allan Poe erzählt in seiner Novelle Die Maske des Roten Todes von der Vergeblichkeit des Eskapismus: Sie handelt vom Prinzen Prospero, der glaubt, dem Roten Tod – einer Pest, die im Lande wütet – entkommen zu können. Gemeinsam mit Gleichgesinnten zieht er sich in eine Abtei zurück. Umschlossen von Mauern, geschützt von eisernen Toren, versorgt mit Leckereien und Luxusartikeln. "Die Welt da draußen mochte für sich selbst sorgen", heißt es. Doch eines Nachts, als die Bewohner einen rauschenden Maskenball feiern, schleicht eine Gestalt durch die Gänge, niemand kennt sie, niemand weiß, wie sie hereingekommen ist. Sie trägt das Kostüm einer Pestleiche. Die Gesellschaft ist schockiert. Die Gestalt lässt sich nicht ergreifen, nicht töten: Es ist die Pest selbst – weder Mauern noch Tore konnten sie abhalten.



Geboren: 
19. Januar 1809, Boston, Massachusetts, Vereinigte Staaten
Gestorben:
7. Oktober 1849, Baltimore, Maryland, Vereinigte Staaten



You're beautiful like no other



* Two lovers from the fountain at the Jardin du Luxembourg, Paris *

You're beautiful like no other, loving you makes me happy! Slim like a date palm is your growth, and your breasts are like its full panicles. On the palm I will climb, pick their sweet fruits, wants me rejoice that ripe grapes equal to your breasts. Your breath drink willingly, which smells like fresh apples, intoxicate me to your mouth, because it tastes like fine wine ...

Salomon "Song of Solomon - 7,8 IOA“





Mittwoch, 3. Juni 2015

Schimmer des Gesichtes


* Hafis vor der Schenke - Anselm Feuerbach 1852 *


Schimmer des Gesichtes

Du, von dessen holder Wange
Licht der Mond der Schönheit borgt
Und aus dessen Kinnes Brunnen
Anmut sich mit Glanz versorgt!

Dich zu schauen, schwang die Seele
Auf den Rand der Lippe sich:
Soll zurück, soll vor sie schreiten?
Was befiehlt dein Wille? Sprich!

Wo dein Aug' gestrahlt, tat jeder
Auf Enthaltsamkeit Verzicht:
Drum vor deinen trunk'nen Augen
Prahle man mit Tugend nicht!

Scheint es doch, mein Glück erwache
Endlich aus dem langen Schlaf,
Da der Schimmer deines hellen
Angesichts sein Auge traf.

Sende mir ein Rosensträußchen
Deiner Wange durch den Ost,
Dass ich deines Gartenstaubes
Düfte atme, mir zum Trost!

Schenken, Ihr von Dscham's Gelage,
Lebet glücklich immerdar,
Wenn in Eurem Kreis gleich nimmer
Weingefüllt mein Becher war!

Freunde! Lasst den Liebling wissen,
Dass er wüst gemacht mein Herz,
Denn es fühlt ja Eure Seele
Mit der meinen gleichen Schmerz!

Wann, o Herr, wird es sich fügen, 
Was mein stetes Streben war, -
Dass ich mein Gemüt versammle,
Während sich zerstreut dein Haar?

Hoch den Saum vom Staub und Blute,
Gehst vorüber du an mir!
Denn es liegen viele Tote,
Die du hingeopfert, hier.

Ostwind, sag' in meinem Namen
Jasd's Bewohnern: Ȇberall
Soll das Haupt der Undankbaren
Werden Eures Schlägels Ball!

Bin ich fern gleich von der Nähe,
Meine Wünsche sind nicht fern,
Und ich diene Eurem König
Und mein Wort, es preist Euch gern.«

Fürst, beschirmt von hohem Sterne,
Ich beschwöre dich, erlaub',
Dass dem Himmel gleich ich küsse
Deines Prunkgezeltes Staub!

Horch, Hafis tut eine Bitte;
Sprich ein Amen denn getrost:
Deine zuckersüße Lippe
Sei in Zukunft meine Kost!


* Diwan von Hafiz 1585 *

Hafis ist einer der bekanntesten persischen Dichter. 

Geboren: Schiras, Iran um 1320
Gestorben: Schiras, Iran † um 1389